Europas KI-Infrastruktur: Kann Nscale die Lücke zu US-Giganten schließen?
Quelle: Startup Insider – Originalepisode
2 Milliarden Dollar – und die Frage, ob Europa damit wirklich eine eigene KI-Infrastruktur aufbaut oder nur teure Hardware finanziert. Björn Rieckhoff diskutiert mit Jan Thomas die Nscale-Series-C: Europas bislang größte KI-Infrastruktur-Runde. GPU-Assets als bankable Securities, die Rolle von Debt-Finanzierung, das Verschwimmen der Grenze zwischen Venture Capital und Infrastruktur-Investment – und warum die Investoren-Landschaft bei solchen Deals eine völlig andere ist als im klassischen Tech-VC.
Kernthemen dieser Episode
- Berlin auf die Eins: Community-Energie in der Berliner Startup-Szene und die Frage, ob der Standort-Wettbewerb zwischen Berlin und München Europa wirklich weiterbringt.
- Advisory OS und AI-Tools: Warum Björn sein eigenes Beratungsgeschäft mit KI-Agenten kannibalisiert – und warum Value-Based Pricing die Zukunft der Beratungsbranche ist.
- Services als das neue Software: Sequoias These, dass hyperspezialisierte Services Trillion-Dollar-Companies hervorbringen werden – und was das für Gründer und Investoren bedeutet.
- Nscale Series C: 2 Milliarden Dollar für Europas größte KI-Infrastruktur-Runde – GPU-Cluster, Rechenzentren und die Wertschöpfungskette hinter AI-Rechenleistung.
- GPU-Assets als bankable Securities: Wie physische Infrastruktur die Finanzierungslogik von Venture Capital hin zu Debt-besicherten Infrastrukturprojekten verschiebt.
- Europäische Tech-Souveränität: Warum Nscale als europäischer Player politisch relevant ist – und ob ein IPO der wahrscheinlichste Exit-Kanal ist.
Transkript
Das folgende Transkript wurde für die Lesbarkeit bearbeitet. Inhalt und Aussagen wurden nicht verändert.
Jan Thomas: Björn, hi, freut mich!
Björn Rieckhoff: Hi!
Jan Thomas: Schön, dass wir sprechen. Jetzt mal wieder im Podcast. Wir haben uns ja gerade gesehen. Das war irgendwie ganz schön. Müssen wir vielleicht mal ganz kurz darüber sprechen. Berlin auf die Eins. Mit welchem Gefühl bist du nach Hause gegangen?
Björn Rieckhoff: Mit einem sehr positiven. Ich finde es toll, dass es da so eine richtige Community-Bewegung gibt, die offensichtlich auch den Nerv der Zeit irgendwie trifft, wenn ich so mit den Berliner Gründern und Investoren mich unterhalte. Es war einfach eine tolle Energie im Raum und man hat auch gesehen, dass die Verbindungen zur Politik immer stärker werden, also von Startup-Szene zu Politik allgemein gesprochen und in Berlin dann eben zum Senat insbesondere. Ich bin mit einem sehr positiven Gefühl nach Hause gekommen. Irgendwie in einer Aufbruchstimmung.
Jan Thomas: Also ich finde Berlin ja mega toll, also das ist gar kein Berlin-Bashing, aber ich finde diesen Wettkampf zwischen Berlin und München, der gefällt mir überhaupt nicht. Und vor allem, ich fand den Kai Wegner, auch da will ich jetzt kein Bashing beginnen, aber den fand ich sehr blass. Der hat ja irgendwie eigentlich nur die Forderung artikuliert, dass Berlin auf die Eins gehört, hat aber noch nicht gesagt, wie er das machen will. Und ich hatte das Gefühl, er hat sich zum ersten Mal mit der Startup-Szene überhaupt auseinandergesetzt. Zeitgleich war er lange da, muss man ihm auch zugute halten. Ist zumindest wachgeküsst worden, glaube ich.
Björn Rieckhoff: Ja, ich glaube, die Präsenz an sich hilft schon mal, da ist schon einiges mit erreicht. Ich gebe dir insofern recht, als dass ich diesen Kleinstaat-Blickwinkel da auch nicht ganz teile. Mir ist das ehrlich gesagt total schnuppe, ob das jetzt Berlin, München, Hamburg oder Köln ist. Es geht mir eher darum, dass Deutschland insgesamt einen starken Standort aufbaut und im weiteren Sinne Europa voranbringt. Das sage ich natürlich jetzt als patriotischer Europäer, als der ich ja auch aufgetreten bin in den letzten Episoden. Aber ich glaube, je mehr du solche Community-Initiativen siehst, es heißt natürlich Berlin auf die Eins und wir gehören da schon auch meiner Meinung nach hin und das hat schon den Anspruch, das Aushängeschild zu sein. Aber es ist ja jetzt nicht bewusst formuliert, dass alle anderen keine Rolle spielen sollten. Nein, wir wollen uns ja schon alle gegenseitig unterstützen. Das ist, glaube ich, auch in der Diskussion dort auf der Bühne klar geworden.
Jan Thomas: Ich glaube gerade, wo du das gesagt hast, ich habe mich an Andy Möller erinnert, den Fußballer. Gefühlt Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien war ja sein berühmter Spruch. Und so ein bisschen, finde ich, ist es ja Berlin oder München, Hauptsache Europa. Ich glaube, so könnte ich das für mich auch zusammenfassen. Aber ich fand, also vielleicht müssen wir nochmal kurz lobend erwähnen, die Energie im Raum und vor allem was der Julian Teicke da aufbaut. Der war dann auch nochmal bei mir zu Gast im Podcast hier, also ehemaliger WeFox-Gründer, jetzt macht er halt eben den Delta Campus. Das ist schon cool, muss ich sagen.
Björn Rieckhoff: Ja, er hat natürlich auch gegeben WeFox in der Vergangenheit, also diese Story im Hintergrund hat ja natürlich auch einen gewissen Hebel. Es ist etwas anderes, als wenn ich mich jetzt hinsetze und versuche, eine Community zu initiieren. Das hat ein bisschen eine andere Flughöhe von Beginn an und das tut der Szene auch gut. Dass tatsächliche Szene-Köpfe, also nicht nur proklamierte Szeneköpfe wie so häufig, sondern tatsächliche, das Heft in die Hand nehmen und dort mit gutem Beispiel vorangehen. Also insofern auch da Hut ab oder Cappy ab.
Jan Thomas: Und auch spannend, weil wir über München gerade reden, also vom Young Founders Network waren ein paar da, die treffe ich immer wieder mal im Delta Campus und das fand ich spannend, die sind extra für das Event aus München hochgefahren gekommen und sind in der gleichen Nacht noch wieder zurückgefahren. Auch das finde ich, also Respekt, muss man schon sagen. Ist schon ein Signal. Und zeigt aber auch vielleicht dann hinterher doch, dass München und Berlin sich näher sind, als man vielleicht denkt. Vielleicht sind es einfach zwei unterschiedliche Standorte, die einfach vielleicht in der Symbiose was Besonderes sind und man gar nicht dieses Gegeneinander ausspielen beginnen sollte.
Björn Rieckhoff: Ja, hundertprozentig. Und ich glaube, eine ICE-Sprinter-Verbindung entfernt ist ja auch wirklich nicht sehr weit. Und vor dem Hintergrund kann man da, glaube ich, viel mehr zusammen machen. Und vielleicht setzen sich Kai Wegner und Markus Söder mal gemeinsam an den Tisch. Das würde ich tatsächlich ganz gerne sehen.
Jan Thomas: Da wäre ich auch gerne dabei, auf eine Weißwurst und ein Karneval. Aber sag mal, du hast mir auch erzählt, du bist jetzt gleich wieder auf einem Event und da müssen wir glaube ich noch ein bisschen ausholen, weil du bist eigentlich voll eingetaucht in diese ganze OpenClaw-Welt.
Björn Rieckhoff: Ja, OpenClaw bzw. im breiteren Kontext, wie mir AI helfen kann, mein Service-Business irgendwie auszubauen und das trifft natürlich einen ganz tollen Nerv. Also du hattest es gerade angesprochen, ein bisschen Aufhänger war ein aktuelles Event, Point9 veranstaltet ein OpenClaw-Meetup am Freitag in Berlin. Der Christoph Janz hatte das schon diverse Male auf LinkedIn auch geteilt. Ich glaube mittlerweile stehen die bei 280 Zusagen, also recht groß.
Jan Thomas: Das können wir auch gerne verlinken. Das ist ein öffentliches Event.
Björn Rieckhoff: Und da wird einfach am Nachmittag gebaut. Also da sind Mentoren da von OpenClaw, Postalk, OpenAI und Co., die ja irgendwie Feedback geben und so weiter. Also Disclaimer, ich bin da nicht involviert in der Organisation des Events. Ich springe da bloß auf, weil ich die Initiative sehr gut fand. Ich habe tatsächlich OpenClaw bisher selber nicht so intensiv genutzt, wie ich das hätte machen können wahrscheinlich. Aber es liegt auch ein bisschen daran, dass ich einfach mit einem anderen Setup bisher sehr gut vorankomme. Ich baue mir nämlich gerade so im Hintergrund für mich selber einen, ich habe das so Advisory OS genannt, auf, weil ich einfach mit den verfügbaren Versionen von OpenAI, Anthropic und Co. bedingt weitkomme für das, was ich mache. Und da brauche ich einfach so ein paar Research-Agenten im Hintergrund, die mir helfen, Dinge zu analysieren, gleichzeitig aber auch irgendwie gute API-Anbindungen, die mir helfen Listen auf einen aktuellen Stand zu halten und anreichern zu lassen und dergleichen. Und das lässt sich dann in einem Interface deutlich einfacher bauen. Ich habe tatsächlich überlegt, wenn es dann mal fertig ist, ob ich mal ein paar Einblicke da ermögliche und einfach so ein GitHub-Repository veröffentliche. Hintergrund, weshalb ich da so reintauche, ist – und ich habe halt in den letzten zehn Jahren VC gemacht, ich bin ja selber kein Techie – aber ich finde es einfach extrem wichtig, dass wir uns damit auseinandersetzen, aus einer Position heraus, in der ich weiß, dass ich in Zukunft nicht mehr so leicht Geld verdienen kann. Wenn du Advisory Services irgendwie anbietest, das Wissen wird zumindest mal commoditized werden und dann geht es eher sehr, sehr stark um diese Judgment-Frage, um Kontext, um Erfahrungswissen, um auch Relationships zu den Gründern und zu Investoren. Und vor dem Hintergrund bin ich dann eher lieber dabei, mein Beratungsgeschäft selber zu kannibalisieren und irgendwie was Neues daraus zu entwickeln, als dass ich vom Markt überholt werde. Deswegen vielleicht hilft dann auch so ein GitHub-Repo einfach mal anderen Leuten professioneller zu agieren. Das wäre ja schön.
Jan Thomas: Total. Aber ich finde das mega interessant, muss ich sagen. Und natürlich, ist man dann auch unter Zugzwang gerade, wie du es gerade beschreibst, weil der Markt sich irgendwie verändern wird. Noch spürt man das vielleicht nur so in den Anfängen. Aber das kann ja mit einer vollen Wucht kommen. Und dann ist es, also ich finde es schon auch interessant, jetzt unabhängig von dir, zu überlegen die ganze Beratungsbranche, wie wird die denn in Zukunft aussehen?
Björn Rieckhoff: Ja, voll. Ich habe letztens einen ganz tollen Blog-Eintrag gelesen, den können wir auch verlinken. Sequoia hat am 5. März, der Julian Beck hatte das veröffentlicht, Services, the new software. Und der argumentiert eigentlich, dass hyperspezialisierte Services in Zukunft das Territorium anführen werden und Trillion-Dollar-Companies irgendwie rauskommen werden. Im Vergleich zu einer Company, die halt bisher Software verkauft hat, ändert sich der Wechsel hin zu, wir verkaufen Service ganzheitlich. Und der hat eine tolle Marktmap erstellt, die sozusagen einzelne Industrien in so Intelligence und Judgment aufteilt und auf der einen Seite auf Insourced und Outsourced aufteilt. Das können wir mal verlinken, das ist super spannend. Und so als Denkmuster glaube ich gerade auch für Gründer und Investoren ganz spannend zu sehen.
Jan Thomas: Habe ich mir schon aufgemacht. Kannte ich nicht den Artikel, aber klingt super interessant. Machst du dir da trotzdem insgesamt Sorgen? Ich frage mich jetzt gerade in der Branche, in der du unterwegs bist, was ist denn dann hinterher quasi der Kern, mit dem man dann noch punkten kann? Und du hast ja gerade eben schon so Judgment gesagt und sowas. Ist es dann eben so Netzwerk, Access und Vertrauen? Sind das so Punkte, die man dann irgendwie verstärken muss und muss man sich vielleicht heute schon darum kümmern, dass man mehr so eine Personenmarke noch mal aufbaut in bestimmten Bereichen?
Björn Rieckhoff: Ja, hundertprozentig. Ich meine, ich sitze jetzt nicht umsonst jeden Monat bei dir. Mir macht das auch sehr viel Spaß. Aber es ist natürlich schon wichtig, eine gewisse Sichtbarkeit zu haben. Und ich glaube, was halt schon hilft, ist ein Erfahrungswissen selber aufzubauen. Und da werden ja auch die Modelle immer besser. Irgendwie noch mal kritisch zu beäugen und vor allen Dingen zu schauen, wann ist denn welcher Vorschlag angemessen und gut umsetzbar. Und ich gebe dir schon recht, viel davon wird commoditized werden. Die Thematik, über die ich mir eigentlich gerade am stärksten Gedanken mache, ist, du hast gerade bei Consultancy-Businesses in der Vergangenheit so die Logik gehabt, dass Stunden abgerechnet werden. Ähnlich wie bei Anwälten. Und du hast dann so den Beratertag verkauft. Wenn ich jetzt allerdings in derselben Zeit halt deutlich mehr schaffe oder andersrum gesagt, wenn ich für eine gewisse Analyse deutlich weniger Zeit brauche, dann ist das ein absoluter Preisverfall. Insofern bin ich aktuell ganz stark dabei, eher in Richtung Value-Based Pricing zu denken und will eigentlich wegkommen von den stundenbasierten Paketen oder Retainern oder dergleichen. Ich glaube, das wird halt, das würde man sehen, wie das klappt. Also es ist so ein bisschen, mein Ansatz ist so Build in Public. Was das angeht, ich rede da sehr offen über Herausforderungen, weil so wie ich das gelernt habe, bringt mich das am schnellsten voran.
Jan Thomas: Ja, aber ob es nicht sowieso ein bisschen mit dem Rücken zur Wand steht, dieses Geschäftsmodell. Also von daher, ich glaube so richtig, man sagt immer so schön, wenn der Senf einmal aus der Tube ist, dann kriegt man den auch nicht mehr zurück in die Tube. Also von daher, vielleicht ist das jetzt gerade mit der KI-Welle so. Die ist einfach real.
Björn Rieckhoff: Die ist so. Und die wird immer mehr zur kritischen Infrastruktur, um mal langsam überzuleiten.
Jan Thomas: Ich wollte gerade sagen, das ist eine super Brücke, genau.
Björn Rieckhoff: Genau, die Überleitung zu finden auf das aktuelle Thema, was wir besprechen wollten. Ich springe einfach mal rein. Ihr hattet das auch in eurem täglichen Podcast erwähnt. Nscale hat eine Riesenfinanzierungsrunde bekannt gegeben, zwei Milliarden Dollar Series C. Die sagen, das ist die größte Series C, die es jemals in Europa gab. Die Company sitzt in London. Und was die Company macht, ist im Prinzip ein Anbieter für AI-Rechenleistung auf Basis großer GPU-Cluster. Also du hast so diese ganz klassische Wertschöpfungskette: Du hast Chip-Produzenten, du hast Rechenzentren, dann hast du Cloud- und Plattform-Anbieter und danach hast du eben die Modelle von OpenAI, Anthropic und Co., die dann zu Anwendungen werden. Und die bauen im Prinzip diese gesamte Basis von Rechenzentrum plus Services ab, worauf dann die Anbieter ihre Modelle trainieren können und dort Kapazitäten buchen. Und das lässt sich am ehesten vergleichen zu einer US-Company namens CoreWeave. Die sind auch bereits börsennotiert. Der Stock hat sich nicht so ganz so super entwickelt in den letzten Monaten, aber das ist glaube ich erstmal ein sehr guter Vergleich. Die gingen mit 23 Milliarden Dollar an die Börse. Zum Vergleich, wir haben jetzt hier die Bewertung von 14 Milliarden. Also fast das Doppelte. CoreWeave macht laut Reuters irgendwie einen Umsatz von so knappen 5 Milliarden US-Dollar. Also schon auch sehr, sehr groß.
Björn Rieckhoff: Was ich so spannend finde bei dem Thema ist einfach die Bedeutung dieser Finanzierungsrunde. Nicht nur von der Größe her, sondern eigentlich, dass du in den Bereich kommst, dass man sieht, AI-Infrastruktur ist eben jetzt nicht mehr dieses klassische Software-Business oder ist kein Startup-Game mehr, sondern ist halt tatsächlich Infrastruktur. Es ist ein Infrastrukturprojekt, was auch so behandelt wird wie ein Infrastrukturprojekt. Nämlich nicht nur mit einer klassischen Equity-Finanzierung, sondern mit besicherten Darlehen. Und die Beleihung findet statt auf Basis der GPUs. Und das ist so cool, finde ich, wenn man sich da so ein bisschen einliest. Du hast mittlerweile das Asset der GPUs, der Rechenleistung, der physischen Rechenzentren, die sind einfach bankable, weil die Banken dort diesen nachhaltigen Wert in dem Geschäftsmodell oder in dem Asset sehen und das beleihen. Und das auch nicht zu knapp, sondern mit sehr, sehr großen Debt-Paketen beleihen. Und das ändert so ein bisschen die Sichtweise von, wir haben jetzt hier eine schnelle Wagniskapitalrunde, hinzu, wir haben hier ein nachhaltiges Infrastrukturprojekt.
Jan Thomas: Ich hab mich da so reingelesen und dann versucht, das zu erfassen. Ich finde das mega faszinierend, muss ich sagen. Also ich gucke immer so drauf, hätte mir das am Anfang immer jemand gepitcht, hätte ich gesagt, das wird niemals funktionieren. Ich kenne jetzt CoreWeave nicht im Detail, aber ich fand, das klingt so komplex, was die managen müssen. Das ist ja jetzt nicht einfach nur so ein Cloud Provider oder sowas. Da hängt ja so viel mit dran. Bis hin zum Vertrieb, bis hin, du sagst gerade es ist bankable, also das finde ich, auch das würde ich sagen, können wir gleich nochmal im Detail diskutieren, unter welchen Bedingungen ist das bankable. Aber ich finde, das ist so komplex. Natürlich baust du dann irgendwie so Moats, glaube ich, irgendwann, weil es so komplex ist. Weißt du, wie du drauf guckst?
Björn Rieckhoff: Ja, es ist spannend, weil ich glaube auch immer ein bisschen die Frage ist, was sind eigentlich die Schwierigkeiten bei dem Modell. Also klar es ist unheimlich kapitalintensiv, du musst eben physische Datencenter aufbauen und gleichzeitig brauchst du glaube ich auch dort sehr, sehr viel Knowledge, wenn es darum geht, wie mache ich das eigentlich, nicht nur in der Orchestrierung der Hardware selber, sondern eben auch um solche Themen wie Energiebeschaffung.
Jan Thomas: Genau, das meine ich, genau, exakt.
Björn Rieckhoff: Und die Company ist, so wie ich das verstanden habe, aus dem Crypto-Mining-Umfeld eigentlich heraus entstanden. Und das war ja damals im Prinzip auch so diese Zeit, als alle mit GPUs aufgewacht sind.
Jan Thomas: So ist Nvidia auch groß geworden eigentlich, kann man sagen.
Björn Rieckhoff: Genau, dass GPUs eben nicht nur im Gaming relevant sind, sondern eben auch in modernen Rechenoperationen in Richtung Kryptomining und dann AI sehr nah beieinander, viel effizienter handeln können als ein CPU in der Vergangenheit. Und ich gebe dir recht, man verfällt sehr schnell in diese Richtung, dass man sagt, oh Gott, da ist ein so dickes Brett zu bohren. Aber ich glaube gerade in den aktuellen Zeiten, in der du schon auch eine sehr große Bereitschaft hast von Investoren, dort die entsprechenden Mittel zur Verfügung zu stellen und in denen du auch natürlich dieses Narrativ sehr stark aufbauen kannst, dass das jetzt hier Sovereign Infrastruktur innerhalb von Europa ist, da kannst du natürlich dann solche Mittel bewegen, die dir auch den Bohrer in die Hand geben, um so ein dickes Brett zu bohren.
Jan Thomas: Aber halt in einem Markt, der konstant Rückenwind hat. Also da würde ich halt eben deswegen auch dieses Bankable, da würde ich halt ein Fragezeichen dran machen. Ich will jetzt nicht eine AI-Bubble herbeireden, aber wir sind momentan in so einem Markt, der halt wirklich getrieben ist von Gier, wo halt wirklich jeder sagt, komm lass uns ganz vorne die Welle mit reiten und noch ein Rechenzentrum, noch ein Rechenzentrum. Wir wissen ja noch gar nicht genau, ob der Markt in zwei Jahren wirklich sich genauso verhält wie antizipiert. Und dann hast du halt hier Riesen-Capex. Also du hast halt einfach Riesenrechenzentren und langfristige Verträge und sowas. Also das Unternehmen ist halt eigentlich relativ unflexibel hinterher, um dann auf Marktbedingungen zu reagieren.
Björn Rieckhoff: Ja, das ist schon richtig. Ich glaube, aktuell ist halt noch die Sichtweise, und da habe ich mal reingeschaut, ich glaube es gab von Reuters einen Bericht Anfang März: Die erwarten, dass die großen Tech-Player zusammen 630 Milliarden Dollar für AI-Infrastruktur ausgeben. Chips, Server, Networking, Data Center. 630 Milliarden Dollar. Das ist natürlich um ein Vielfaches höher als jetzt die einzelnen Finanzierungsrunden von zwei Milliarden. Und daran sehen wir einfach die Skalen, die das Thema wachsen kann. Und da ist das tatsächlich dann eher so ein kleiner Fisch, fast schon, wenn du das relational siehst. Und parallel gibt es halt so Consulting-Studien, die sagen, so AI-Ready-Data-Center gibt es eigentlich immer noch zu wenige und du brauchst mehr Kapazitäten, um dem großen Ausbau von AI oder der AI-Adoption im Prinzip entgegenzukommen oder mit ihr Schritt zu halten.
Jan Thomas: Es gab ja im Quick Commerce immer diese Unternehmen, die dann angefangen haben, Rider zu vermieten oder die Fahrer quasi zu vermitteln, weil das irgendwie ein knappes Gut war. Also ich will jetzt Nscale hier nicht schlecht reden, also ich finde das ja total cool, auch dass sie in Europa sind und so, also wirklich ganz viele Haken dran. Aber es geht mir halt alles momentan einen Ticken zu schnell und das sind halt immer so größte Series C aller Zeiten. Also da fließt halt viel Geld gerade.
Björn Rieckhoff: Mir geht es auch so. Das ist so in der Größenordnung, wo man staunt und gleichzeitig so ein bisschen unsicher wird, weil man den Eindruck hat, hier fließt irgendwie ein bisschen was aus dem Ruder oder es lässt sich nicht mehr so einfach begreifen. Als ich hier angefangen hatte, 2016 im VC zu arbeiten, da war für mich auch irgendwie eine 5-Millionen-Finanzierungsrunde viel Geld. Und jetzt mittlerweile sprechen wir halt über Milliarden-Finanzierungsrunden. Und ich glaube, es braucht so ein bisschen Zeit, bis man sich zu Größenordnungen orientiert hat. Gleichzeitig hat man natürlich den Eindruck, dass die Entwicklungen so dynamisch sind, dass man nicht mehr Schritt halten kann. Also ganz blöd gesagt, diesen Austausch, den wir hatten, welchen Tech-Stack nutzt man, gehe ich jetzt auf OpenClaw für irgendwelche Agenten oder baue ich das auf einer AWS-Instanz in Frankfurt auf. Das sind halt Entscheidungen, die triffst du und du bist dir gar nicht sicher, ob du die in einem Monat schon revidieren musst, weil irgendwo anders ein Modell daherkommt, was auf einer anderen Infrastruktur viel effizienter läuft. Und das ist so ein bisschen die Krux dabei, dass man noch nicht ganz den Weg nach vorne antizipieren kann. Und gleichzeitig hast du so eine Professionalisierung im Markt, dass es jetzt keine Tech-Wetten mehr sind, sondern dass es Infrastrukturprojekte gibt, wie eben jetzt Nscale.
Jan Thomas: Ja, und dass es viele Use Cases gibt für KI ist ja vollkommen klar. Dass die wahrscheinlich alle irgendwann auch Realität werden – nehmen wir mal Video, dass KI im Bereich Video eine Rolle spielt, dass KI die Musik verändert, Programmieren verändert, Waymo und Co. kommen werden und so – alles total klar. Die Frage ist für mich ein bisschen die Timeline. Und ob dann nicht eben solche Player hier, also du hast total recht, zwei Milliarden ist dann vor den 600 Milliarden, über die du gerade gesprochen hast, dann wieder Peanuts. Aber das sind halt alles so Größenordnungen, die kommen mit einer Wucht und keiner weiß irgendwie, wie schnell ist die Adoptionsgeschwindigkeit. Da fehlt so ein bisschen das Grundgefühl für den Markt nach vorne raus, weil wir so eine Zeit noch nie hatten.
Björn Rieckhoff: Ja, das ist absolut richtig. Ich glaube, du machst da so ein bisschen diesen Bear Case für das Investment auf. Also es ist natürlich schon ein gewisses Capex- und Leverage-Risiko, was du damit dann reinziehst. Also klar, es skaliert sowas schnell über große Debt-Pakete. Du kannst halt dann die Hardware aufbauen. Und CoreWeave hat das glaube ich auch gezeigt. Ich habe da so ein, zwei Artikel gelesen, die haben wiederkehrend sehr starke Debt-Finanzierungen zur Expansion genutzt. Das Modell ist allerdings natürlich super sensitiv gegenüber Nachfrage-Dellen. Und dann hast du natürlich dann sehr schnell so eine Situation, in der du innerhalb von einem gewissen Refinancing-Fenster den entsprechenden Wachstum zeigen können musst, um dann auch in der Lage zu sein, die Verpflichtungen wieder abzulösen. Und ich habe schon den Eindruck, da segeln wir natürlich sehr hart am Wind. Und in gewisser Weise auch zurecht, aber diese Aussage basiert natürlich komplett auf einem Bauchgefühl. Dass es den Riesentrend gibt, aber inwiefern der jetzt überspannt wird oder nicht, das ist halt superschwer abzuschätzen.
Jan Thomas: Ich meine, dass die liefern, also nochmal, Europa, ich feier das total. Das ist irgendwie erstmal auch – tun wir jetzt mal so, als wäre UK Teil der Europäischen Union – das fühlt sich erstmal gut an und dass die jetzt so eine Runde zustande bekommen haben, auch stark. Ich finde die Investoren, machen wir vielleicht nochmal kurz durchgehen, weil da war dann irgendwie so Astra, Dell und NVIDIA und dann irgendwie Nokia und Lenovo. Also sehr viel Hardware, habe ich so das Gefühl, die das Ganze befeuert haben. Ist cool, aber ist halt auch sehr strategisch schon. Aber dann haben sie auch noch, glaube ich, ein ganz cooles Board zusammengestellt. Sheryl Sandberg habe ich lange nicht gelesen, ist jetzt da reingegangen zum Beispiel. Also irgendwas ist da schon, glaube ich, und die müssen ja, um so eine Runde aufgesetzt zu haben, müssen sie auch schon geliefert haben. Die Traction muss stimmen.
Björn Rieckhoff: Ja, hundertprozentig, davon würde ich mal ausgehen. Ich glaube, auch die Finanzierungshistorie spricht so ein bisschen für sich. Die hatten, glaube ich September 2025, 1,1 Milliarden aufgenommen. Dann gab es durch strategische Investoren nochmal eine Art SAFE Note, das war allerdings auch 430 Millionen Dollar groß. Aber das war tatsächlich ein SAFE Note und danach kam eine 1,4 Milliarden Finanzierungsrunde, was GPU-besichert war. Also diese zwei Milliarden, die jetzt da kommuniziert werden, das ist halt nicht nur Equity Financing, das ist ganz wichtig. Aber man sieht halt auch in der Summe, wie viel Kohle da reinfließt. Das ist, wie du angesprochen hattest, nicht mehr die klassischen Tech-Investoren, sondern es sind eigentlich Infrastruktur-Investoren. Und ich glaube, den Lead-Investor, den du angesprochen hattest, aus Norwegen, die kommen eigentlich aus der Energiebranche. Und da siehst du auch schon, dass es da natürlich wiederum um Standortfaktoren geht. Und letztens hatte das Emmanuel Macron gesagt, so großer Standortvorteil von Frankreich gegenüber anderen Ländern, Kopfnicken in Richtung Deutschland, ist eben, dass sie halt die ganzen Atomkraftwerke haben und dass sie die notwendige Power erst mal zur Verfügung stellen können. Und das ist natürlich schon auch sehr, sehr schnell dann in so einer Ebene, wo es politisch wird, wo es eben ein Standortfaktor und eine strategische Entscheidung ist für das Land.
Jan Thomas: Ich hab mir jetzt beide Cap Tables nochmal aufgemacht bei Crunchbase. Also Nscale hat insgesamt 5 Milliarden wirklich schon eingesammelt, das ist auch schon krass. Aber man sieht keinen einzigen so typischen Growth Investor, die wir hier so aus der tradierten Startup-Szene kennen. Also kein Andreessen Horowitz oder Sequoia oder sowas drin. War aber bei CoreWeave auch nicht, das ist auch ganz spannend. Da hast du dann so als einzigen bekannten Startup-VC irgendwie Coatue mit drin. Und dann halt eben Blackstone und Fidelity und sowas, Goldman Sachs. Also vielleicht sind die auch generell auf andere Arten von Kapitalbeschaffung optimiert, das kann auch schon sein.
Björn Rieckhoff: Ja, das könnte durchaus sein. Und gleichzeitig ist es natürlich auch, von der Art und Weise, wie du das finanzierst, nicht notwendigerweise das ganz klassische VC. Da ist es jetzt nicht mehr dieses klassische, also wenn es um bankable Securities geht, dann bin ich halt häufig in einem anderen Bereich und ich muss auch sagen, aus meiner Sicht eigentlich in einem nachhaltigeren, weil du irgendwo physische Werte hast, die dahinter liegen. Am Ende des Tages ist allerdings natürlich auch ein Geschäftsmodell, wo ganz klassische Tech-Investoren – ich will nicht sagen, dass sie nicht so viel verloren haben – aber wo es schon auch viele Themen gibt, von denen die einfach keine Ahnung haben. Also wenn es um Strom- und Kühltechnik geht oder den Aufbau von Netzwerken und Cloud-Services und dergleichen, das geht halt deutlich über Software hinaus. Kann natürlich durch Software wunderbar unterstützt werden. Aber ich brauche irgendwo Know-how aus der realen Welt. Hat auch irgendwo im physischen Aufbau seine Restriktionen. Und da sind glaube ich einfach viele VCs auch irgendwo vorsichtiger, wenn es um solche Modelle geht. Heißt aber nicht, dass die natürlich nicht entsprechend groß skalieren können.
Jan Thomas: Ja, ich sage das auch deswegen, weil ich so ein bisschen das Haar in der Suppe gesucht hatte gerade, wegen den für mich ein bisschen unbekannteren Investoren. Aber vielleicht ist das dann einfach in dem Space genauso. Was mir gerade nochmal auffällt, vielleicht hast du es vorhin gesagt, aber Nscale ist ja auch erst im Mai 2024 gegründet. Das ist ja total krass. Also ich überlege nur gerade, glaubst du, es ist ein Markt, der überhaupt noch entsteht, könnten da jetzt sogar noch neue Player rein?
Björn Rieckhoff: Also, wenn ich mir überlege, was der Spend von großen Tech-Konzernen ist, den wir vorhin angesprochen hatten, 630 Milliarden Dollar Investition in die Bereiche, und natürlich hast du die Metas dieser Welt, die selber Datenzentren aufbauen, du hast allerdings auch die Apples dieser Welt, die sich da total zurückhalten. Und das finde ich eigentlich auch spannend, das mal zu betrachten, weil ich glaube die Wette liegt einfach darin, dass sie sagen, warum sollten wir uns denn selber solche Assets aufs Balance Sheet holen, die entsprechend stark abgeschrieben werden müssen über die Zeit. Und wir hatten glaube ich das Thema schon mal in der Vergangenheit, dass die Großkonzerne die realen Laufzeiten massiv überschätzen, um einfach die Abschreibungen entsprechend positiv auszulegen für das eigene Balance Sheet. Und da gibt es natürlich immer noch große Companies wie Apple, die sich gar nicht an dem Spielchen beteiligen oder nur in einem notwendigen Umfang. Und dann auf solche Player wie Nscale wahrscheinlich zugehen werden und sagen, jetzt sind wir soweit und wir haben hier jemanden, mit dem wir verlässlich unsere Strategie vorantreiben können. Ich glaube, dass es da schon auch Raum gibt für mehr Unternehmen in dem Space. Insbesondere weil, so ist mein Verständnis, in Europa Nscale bisher glaube ich die einzigen sind, die das so groß aufbauen wollen.
Jan Thomas: Was glaubst du, der Exit-Kanal hinterher? Also jetzt mal abgesehen von einem Börsengang. Könntest du dir sogar vorstellen, dass CoreWeave die kauft?
Björn Rieckhoff: Ich glaube nicht. Das passt nicht zu der Story, die sie aufbauen wollen mit europäischer Infrastruktur.
Jan Thomas: Ich dachte gerade deswegen, weißt du, dass du halt sagst, als US-Player tut sich ja dann sehr schwer wahrscheinlich in Europa eine gleiche Glaubwürdigkeit hinzubekommen.
Björn Rieckhoff: Das ist so. Ich sehe da allerdings ehrlich gesagt perspektivisch eher, ich will nicht sagen einen Burggraben, den es nicht mehr zu überspringen gibt, aber ich glaube schon, dass diese Durchlässigkeit, die es in der Vergangenheit gab, als natürlicher Exit-Kanal in die USA, weil man dadurch nochmal den Marktzugang zu Europa für die Amerikaner und nach Amerika für die Europäer irgendwie öffnet, ich glaube das ist keine Selbstverständlichkeit mehr in der Zukunft. Ich glaube gerade bei solchen Themen, die auch politisch ein gewisses Interesse triggern, wird es da eher darum gehen, dass man die Nscales dieser Welt in Europa an die Börse bringt und dann dementsprechend weiter finanzieren kann. Ich glaube da nicht so notwendigerweise an die Story, dass man da jetzt eine Konsolidierung so früh sieht. Vielmehr wird sich der Markt eher noch weiter auftun. Und es gibt mehr Player. Dafür ist einfach die Größe des Marktes zu groß, als dass man jetzt da anfangen würde, schon gleich zu konsolidieren.
Jan Thomas: Ja, wäre ja toll, wenn nach vorne raus dann vielleicht auch wirklich ein toller Börsengang da steht mit einem Unternehmen, das dann perspektivisch 50 bis 100 Milliarden wert sein könnte.
Björn Rieckhoff: Ich habe gelesen, dass es tatsächlich schon in eine gewisse Richtung IPO geben soll. Die haben glaube ich bereits Goldman und JP Morgan mandatiert, um als Underwriter aktiv zu werden, aber ohne dass da jetzt ein Zeitplan bekannt wäre, so wie ich das gelesen habe. Aber so viel zu Exit-Kanal, ich glaube das ist dann der IPO, auch bei der Größenordnung so das einzig Mögliche dann irgendwann. Und Randnotiz, selbst wenn du natürlich solche Großbanken dann als Underwriter mandatiert hast, heißt das ja nicht, dass es nicht in der Zwischenzeit noch die eine oder andere weitere Finanzierungsrunde in den privaten Märkten gibt. Wie du ja vorhin aufgezeigt hast, anhand der großen Volumina, die auch drüben in den USA fließen, ist ja hier durchaus ein valides Szenario, einfach privat zu bleiben über eine gewisse Zeit.
Jan Thomas: Ja, mir geht es zu schnell. Also ich finde das mit Privatbleiben fände ich fast im Moment sympathischer irgendwie, weil wir hoffen ja alle so ein bisschen, dass das Börsenfenster wieder aufgeht und dass wir mehr IPOs sehen. Aber es müssen halt auch die richtigen sein. Und wenn da jetzt wieder so mit dieser Gier, die ich vorhin angesprochen habe, dann zu früh zu viele Unternehmen, die eigentlich noch nicht börsenreif sind, an den Markt gehen, dann erlebst du halt wieder so einen Schock eigentlich. Und das wäre glaube ich schlecht für den Markt.
Björn Rieckhoff: Da bin ich absolut bei dir, wenn es sich dann so herausstellt.
Jan Thomas: Ist deswegen kein schlechtes Unternehmen, aber wenn du halt dann noch 2, 3 Jahre warten könntest und ein solides Unternehmen an die Börse geht, das ist glaube ich in vielen Fällen besser.
Björn Rieckhoff: Ich würde mal sagen, konservativere Investoren, die würden wahrscheinlich ganz gerne mehr sehen als ein volles Geschäftsjahr in den Büchern, was 2025 war. Du hast vorhin angesprochen, das wurde irgendwie 2024 als Spin-out erst gegründet, hast du so ein Rumpfgeschäftsjahr und danach hast du ein volles und dann soll es irgendwann an die Börse gehen. Das ist vielleicht ein bisschen wenig, um darauf eine Börsenstory aufzubauen. Also ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es 2026 noch ins Land gehen wird und dann irgendwann 2027 man Pläne konkretisiert. Aber ich glaube, was da einfach passiert ist, dass man dort von Seiten der Gesellschafter und auch der Geschäftsführung wahrscheinlich einfach ein aufgehendes Börsenfenster im Zweifel nicht verpassen möchte, sodass man sich früh genug breit genug aufstellt, um einfach Optionalität zu haben.
Jan Thomas: Cool, Björn. Ich fand's super. Und wie gesagt, also unterm Strich erstmal toll, dass es so ein Unternehmen jetzt auch in Europa gibt. Also das ist ja eigentlich genau, was wir uns wünschen. Also mehr große Unternehmen, die gerade diese KI-Welle mitbestimmen, dann irgendwie auch da jeweils ein europäisches Pendant. Ich fand's jetzt so schade, dass Mistral sich scheinbar ein bisschen verabschiedet hat. Aleph Alpha haben wir ja hier auch schon mal besprochen. Also man wünscht sich einfach mehr Champions hier gerade.
Björn Rieckhoff: Ja, hundertprozentig. Ich meine, wenn ich jetzt auf LLM-Seite gehen oder suchen würde und mir würde jemand eine API an die Hand geben, die genauso leistungsfähig ist wie die von Anthropic oder von OpenAI, dann würde ich die mit Kusshand gerne aus Europa nehmen. Aber das ist halt leider von der Performance her nicht ganz vergleichbar. Und vor dem Hintergrund, also das schließt so ein bisschen den Kreis zu unserem Austausch eingangs, aber da bin ich absolut bei dir, wenn es mehr solche Companies geben würde. Ich glaube, da gibt es auch eine große Bereitschaft von europäischen Firmen und Marktteilnehmern allgemein gesprochen, die entsprechenden europäischen Lösungen zu bevorzugen.
Jan Thomas: Vielleicht war das ja heute der Beginn von einem Trend. Wollen wir es hoffen. Björn, hat Spaß gemacht. Dann lieben Dank und auf bald!
Björn Rieckhoff: Bis dahin, tschüss.
Über Björn Rieckhoff
Björn Rieckhoff ist Independent Advisor und Business Angel mit fast zehn Jahren Erfahrung im Early-Stage-Venture-Capital. Er half beim Aufbau von Cavalry Ventures als erster Mitarbeiter und wurde später Partner des Fonds. Heute unterstützt er Gründer beim Fundraising, schärft ihre Story, stellt Geschäftsmodelle auf den Prüfstand und setzt schlanke Finanzierungsprozesse auf. Mit über 80 Transaktionen und Board-Sitzen von der Seed- bis zur Series-B-Phase bringt er diese Perspektive als Sparringspartner für Unternehmer ein.
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